Die Waskinger

Wikinger, Haakon, Geschichte Skandinavien, Humorvolle Texte
Haakon der alte Wikinger

Nachdem nun Dreiviertel der Kinger Geheimnisse gelüftet sind, stelle ich mich dieser letzten Herausforderung, die einen Nachfahren dieses Stammes noch fordern kann.

 

Zur besseren Orientierung des geneigten Lesers hier noch einmal eine kurze Rekapitulation.

Die Wikinger blieben in ihren seit Generationen angestammten Siedlungsgebieten nördlich des fünfundfünfzigsten Breitengrades.

Die Warumkinger fuhren weit übers Meer und siedelten nach kurzem Aufenthalt in den Jagdgründen derer, die mit dem Wolf tanzen, am Popocatepétel, wo sie von den Einheimischen freundlich aufgenommen und sich im Lauf der Jahrhunderte mit ihnen gesellschaftlich unter-, durch- und übereinander mischten. Nur ihr Anführer, der blaue Sven, das Weichei bekam Heimweh und flüchtete mit seiner Mayafrau „Blüte der Sonne“ zurück ins Kingerland, wo er sich in den Stamm der Wiekinger, der späteren Wikinger eingliederte und seine Frau mangels ausreichend Sonne verblühte.

Die genealogische Expertin Anne Jacobsson, deren Dutzendurgroßmutter Issi war, die als zehntes Kind und Tochter von Linus Starksson und seine Frau Ebba Andersdotter geboren wurde, fand die Wurzeln ihres Zweiges der Kinger, der Wokinger.

 

Was bleibt nun noch? Ach jsa, die Waskinger. Was ist eigentlich aus der Gruppe von renitenten Kingern geworden, die wir heute Waskinger nennen und gibt es noch Leute mit deren Blut in den Adern?

 

Ja, sage ich, und ich, Haakon, Nachfahre von *Haakon dem Ältesten und einzig wahren Haakon* werde Euch jetzt berichten.

 

In einer kleinen Stadt in Nordsüdgermanien, wo es sonst nichts als Moore und Heide gibt bin ich fündig geworden. Beim Durchmarschieren durch die Stadtmauern sah ich ein erstes Hinweisschild. Auf dem stand Wasa Knäckebröd. „Aha“, dachte ich „das fängt ja gut an. Da kann ich meine Nachforschungen in die Vergangenheit beginnen“. Aber nach einigem Blättern in den Archiven dieser Fabrik musste ich resignierend feststellen, dies war nicht der Durchbruch. Es konnte sich dieserorts nur um eine kleine Splittergruppe von ersten Gast- oder Leiharbeitnehmern aus dem hohen Norden handeln.

 

Also weiter suchen und forschen.

 

Nun wusste ich von weiter südlich gelandeten Stämmen, dass dort gewisse Ausdrucksweisen gebräuchlich sind. Eigentlich dachte ich, dass meine Vorfahren nicht soweit nach Süden vorgedrungen waren. Die Bajuwaren waren damals schon eine Furcht einflößende Sippe, die südlich des Mains siedelte und über deren Schandtaten weit nach Norden mit Respekt berichtet wurde. Auch meine Vorfahren waren also gewarnt und hielten sich Main nordwärts. In kleinen Gruppen sandten sie immer wieder Kundschafter in das „Feindesland“, um deren Sitten und Gebräuche zu studieren. Die Sprache war schwer zu verstehen.

Lauter Laute, die es in der Sprache der Kinger nicht gab. Der Versuch der Wiedergabe dieser Pronunciation in der fremden Sprache stieß bei den Einheimischen nur auf ein mitleidiges „Mei, was für Deppen“. Der Anführer der Bajuwaren, eines altgermanischen Stammes, die es in der Zeit der Völkerwanderung nach Süden verschlagen hatte, ein gewisser Edelmund Abstoiber pflegte immer zu sagen: „I hab’s ja scho immer g’sagt, lossma bloss net so pfuil Ausländer nei in unser scheens Bajuwarien. Ganz gleich, ob’s vom Norden her oder von südlich der großen Berge komma.“

 

Aber die Kinger waren ja nicht dumm. Sie hielten sich weiter nördlich des Mains, gründeten Siedlungen, trieben Handel über den Fluss. Da blieb es nicht aus, dass auch der ein oder andere oder später auch mehrere und viele Bajuwaren neugierig wurden und mit der Fähre bei der Furt, wo die Schweine durch den Fluss getrieben wurden, über den Fluss setzten und die Nordlichter besuchten.

An den Markttagen war der Andrang besonders groß und häufig vernahm man dort auf den Marktplätzen Sätze wie „Mei, was iss des lecker“ oder „Mei, was a lecker bröd“ oder „Teifi, was a fesch’s Madel“ oder, oder, oder …

Da die Kinger die Sprache der Bajuwaren nicht gut beherrschten, viel ihnen immer wieder das Wort „Was“ auf. Sie waren der Meinung, dass dieses Wort etwas ganz besonderes sein müsse und übernahmen es umgehend in ihre Sprache, diese „Was“. Der häufige Gebrauch dieses Wortes stand ab sofort für alles, was toll, groß und bedeutend und sowieso für Superlatives schlechthin.

Auch den Namen der Sippe sollte es in Zukunft zieren und so nannten sie sich die Waskinger. Der Chef und Anführer übernahm den Namen des bajuwarischen Helden „Wastl“. Weiter südwestlich ist der unter dem Namen Wilhelm Tell annal vermerkt (teifi, wer was g’schamiges dabei denkt).

Das Brot ist heute noch unter dem Namen Wasa bröd bekannt, nach dem Ausspruch der Bajuwaren „Was a bröd“. Bis in unsere Tage haben die Waskinger aus dem hohen Norden das Patent auf lecker Wasa Knäckebröd. Und in Germanien wird dies heute noch exklusiv in Celle hergestellt. Dort war es ja durch eine kleine Splittergruppe von ersten Gast- oder Leiharbeitnehmern aus dem hohen Norden berühmt geworden.

 

So ist nun auch die letzte Lücke geschlossen in dem Puzzle der Kinger. Die Nachfahren der Waskinger wohnen über halb Germanien und auch Nordbajuwarien verstreut.

Wirklich die letzte Lücke? Oder gibt uns das Volk der Kinger in der Zukunft noch weitere Rätsel auf, die vielleicht wir nicht, aber unsere Kinder und Kindeskinder oder andere schlaue Leute lösen werden?

 

 

Haakon, Nachfahre von *Haakon dem Ältesten und einzig wahren Haakon*

 

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