Die Warumkinger

Haakon, Wikinger, lustige Geschichten
Haakon der alte Wikinger

Ob des regen Zuspruches auf meine genealogischen Forschungen über meine Urahnen, die *Kinger*, habe ich, Haakon, Nachfahre von *Haakon, dem Ältesten und einzig wahren Haakon*, mich entschlossen, doch noch einmal tief in die Keller und Abstellkammern der Archive in Nordgermanien hinab zu steigen und zu ergründen, ob es nicht doch noch etwas zu erfahren gibt über die anderen Zweige der *Kinger*.

 

Und, meine Freude war groß. Ich habe massig eruiert und nach langen, sehr aufwendigen und mühseligen Recherchen möchte ich heute das Ergebnis präsentieren. Man hatte mich bei meiner Ehre gepackt und gefragt, ob ich etwas wisse über die *Warumkinger*, Zweig des Geschlechtes der *Kinger*.

 

Also, jeder den es interessiert, kann und darf es natürlich auch lesen.

 

Als, wie Ihr alle schon nachlesen konntet, die drei Anführer der aufmüpfigen Sippen des Stammes der *Kinger* mit Ihren Gefolgsleuten das Land im Norden verließen, um sich eine neue Zukunft und ein neue Zuhause zu suchen, verschlug es die Anhänger der späteren *Warumkinger*, die ja immer noch *Kinger* und keine *Warumkinger* waren nach Westen. Ihr Anführer war Sven, der „Wilde Blaue Sven“ genannt, weil er vom vielen Saufen schon eine ganz blaue Nase hatte. Wild, nicht etwa, weil er so barbarisch war. Nein, er war bei allen Gelagen der Wildeste am Lagerfeuer und prahlte mit den wildesten Geschichten von Kämpfen mit den wildesten aller Kreaturen. Tief drinnen aber war er ein weicher, einfühlsamer Mensch. Mancher würde heute sagen, er war ein Weichei. Aber welcher *Kinger* gibt das schon gerne zu. Und was das Wichtigste war, welcher *Kinger* würde so was Elliptisches zu seinem Chef wählen?

 

Sie fuhren lange übers Meer. Hunger und Entbehrung waren der tägliche Begleiter der Auswandernden. Als sie schon jeglichen Mut verloren hatten und glaubten nie wieder Land zu sehen, kam von einem Ausguck auf einem der Schiffe der wohl von allen am sehnlichsten erwartete Ausruf „Laaaand, Laaaand, Land in Sicht“.

Alles was noch krabbeln konnte kroch auf allen Schiffen an Deck, lag sich in den Armen, knutschte sich mit vom Skorbut teilweise aufgelösten Gebiss und war froh, nun endlich mal wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen.

 

Kaum an Land, fühlten sich die *Warumkinger*, die ja noch Kinger und keine *Warumkinger* waren beobachtet. Sie wurden das Gefühl nicht los, dass sie nicht allein waren. Und dieses Gefühl sollte sie nicht täuschen.

Denn die Gegend, wo sie sich gerade aufhielten, war auf allen damals bekannten und unbekannten Landkarten als das Reich derer verzeichnet, die mit dem Wolf tanzten, die Federn auf dem Kopf trugen, die Pfeifen mit undefinierbarem Inhalt rauchten, die Leute an Pfähle banden und mit Beilchen bewarfen, solange, bis einer traf,…..und nur noch ein ohhhhh zu hören und dann Stille, weil die Luft raus war!

 

Da sich die *Warumkinger*, die ja noch keine … usw., aber nicht streiten und keinen Ärger haben wollten, setzte sich mit den Rothäuten in einem Kreis auf den Steppenboden, rauchten diese putzigen Pfeifchen, bis bei den Besuchern der große Husten vom Qualm des klein geschnippelten Präriegrases in der Pfeife kam, was die Ureinwohner ungemein amüsierte. Sie futterten zusammen vom Büffel am Spieß und tranken von dem mitgebrachten Met der Neuankömmlinge, was den Federträgern gar nicht gut bekam, weil sie es nicht kannten, was wiederum die *Kinger* erheiterte.

Anschließend tauschte man noch ein paar Geschenke aus und unsere nordischen Helden zogen weiter.

Weiter und weiter, Tag für Tag, Mond für Mond. Quer durch ein fremdes Land. Sie ahnten nicht, das es einmal das Land sein würde, das ein gewisser Christoph Columbus viele Monde später Amerika nennen sollte.

 

Endlich gegen Ende des achten Mondes sahen sie vor sich einen hohen Berg, der auch noch hell erleuchtet war und rauchte. Sie waren am Popocatepétel angekommen, den die Einheimischen „stark rauchender Berg“ nannten. Die Verständigung war gar nicht so einfach. Kein *Kinger* sprach popocatepételisch und kein *Popocatepételer* sprach kingerisch. Was für ein Kauderwelsch das gewesen sein muss. Und deshalb waren gelegentliche Rangeleien Folge der Missverständnisse um das Gesagte. Um der eigenen Meinung Nachdruck zu verleihen, wurde dann schon mal mit der Keule der *Kinger* oder mit der flachen Seite der Machete der *Popocatepételer* auf den Kopf des Gegenübers gehauen. Aber das war eher die Ausnahme und führte selten zu Aua am Kopf des Kontrahenten.

 

Aber, ich schweife schon wieder mal ab.

Die *Kinger* fühlten sich hier recht wohl, wurden von den Popocatepételern willkommen geheißen und ließen sich hier nieder. Jede Gruppe konnte von der anderen lernen.

Was sie, die *Kinger* noch nicht wussten, der Popocatepétel war ein Riesenvulkan. Vulkane kannten sie aus Erzählungen von der Insel Gardarsholm dem heutigen Island, von dessen Besiedlung an den Lagerfeuern in der Heimat ausführlich bei einem oder mehreren Met und gebratenem Ochsen oder Schwein berichtet wurde. Aber die Vulkane dort auf der Insel sollen nicht so riesig gewesen sein.

 

Auf jeden Fall, eines frühen Morgens, als alle noch laut schnarchten und träumten, gab es einen Riesenknall.

Die Kinger sprangen auf, rieben sich die Augen, liefen zusammen und einer rief: „ Man, war das en Rumms“.

 

Das war die Geburtsstunde des Namens der *Warumkinger*.

 

Im Laufe der Jahrhunderte und durch fehlerhafte mündliche Überlieferung dieses einschneidenden Ereignisses wurde nämlich aus:

 

„Man, war das en Rumms“

 

erst,                             „das war en Rumms“,

danach                         „War en Rumms“,

später                          „War Rumms“,

dann schließlich            „Warumms“

und letztendlich            „Warum“.

 

So konnte ich in den Unterlagen der Geschichtsarchive wegen eben dieses Vulkanausbruches das Geschlecht der *Warumkinger* eindeutig identifizieren.

Ich habe so nebenbei erfahren, dass auch ein wenig Blut der *Warumkinger* in meinen Adern fließt. Gab es doch seinerzeit eine Tante von Sven, dem wilden Anführer der späteren *Warumkinger*, die im Kingerland blieb und sich an einen meiner Urahnen herangemacht und ihn mit ihren prallen Liebreizen etwas unterhalb ihres Kinns verführt hatte.

 

Warum die *Warumkinger* ein weißer Fleck im Archiv des Wikinger Museums in Haithabu, in der Nähe des heutigen Schleswig sind, kann ich nicht sagen. Dort ist nichts bekannt davon und man belächelt meine Nachforschungen. Die haben ja keine Ahnung, pffhh!

 

Hier müsste man die Nachfahren fragen. Kennt jemand welche?

 

 

© Haakon, Nachfahre von *Haakon dem Ältesten und einzig wahren Haakon*

 

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