Männer machen glücklich

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Männer machen glücklich

Es kam, wie es kommen musste. Auch in diesem Jahr konnte er sich diesem Datum nicht entziehen, obwohl er es sich jedes Jahr vornahm, dieses Theater nicht mehr mit zu machen.

Februar, eigentlich nicht der Monat der Liebenden.

Trotzdem an diesem bestimmten Tag fand man Heerscharen von Männern in die Blumenläden und Parfümerien. Er wollte da keine Ausnahme sein. Also, Schuhe und Jacke angezogen und los. Es war in diesem Jahr ein Montag, der 14. Februar, der Valentinstag, der Tag der Liebenden.

Und es war wie in jedem Jahr, in seinem Blumenladen um die Ecke war mächtig was los. Er hatte es schon durch die parkenden Fahrzeuge an der Straße vor seinem Haus gemerkt. Es gab eine starke Besetzung im Verkaufsteam heute. Die Autos gehörten zu den Mitarbeitern dieser Gärtnerei um die Ecke. Dort holte er immer seine Blumen, natürlich auch für diesen Anlass. Für einen geliebten Menschen sollten sie sein. Im Laden war, wie schon erwähnt, massig Betrieb und die Blumeneimer des Verkaufsraumes leerten sich zusehends. Zeit hatte er, sich in Ruhe umzuschauen, auszusuchen und zu vergleichen. Es fiel ihm nicht leicht, eine Entscheidung zu treffen bei dem Blütenmeer um sich herum. Er nahm alles in seiner Umgebung wahr, die Gespräche zwischen den Kunden und den Verkäuferinnen, kleinere Auseinandersetzungen um die Reigenfolge der Bedienung, auch private Unterhaltungen zwischen Menschen die sich kannten.
Auf dem Dorf kennt man sich halt. Die Zeit verging und sein Blick schweifte durch den Laden, die Menschen musternd und einschätzend, in Kategorien einteilend, die Auslagen begutachtend und deren Sinn oder Unsinn und Schönheit bewertend. Er entdeckte, als er nach oben schaute eine Werbung, die an einem Holzbalken über der Kassentheke hing. Darauf waren eine hübsche, junge Frau, ein Blumenstrauß und ein Spruch abgebildet. Dort erfuhr man(n) es.

„Männer machen glücklich“.

Er musste lachen, was Einige um ihn herum bemerkten. Sie schauten ihn fragend an. Er blickte zurück, zog die linke Augenbraue hoch und warf den Kopf ein wenig schräg nach rechts hinten in den Nacken. Die Augen der Anderen folgten seiner Bewegung und schauten nun auch auf das Plakat. Die Meisten konnten sich zumindest ein Grinsen auch nicht verkneifen. Eine Fleurop-Werbung, die ihr Ziel wohl nicht verfehlt hatte, wurde sie doch von den überwiegend männlichen Kunden mit einem Ausdruck der Genugtuung wahrgenommen. „Männer machen glücklich“ stand dort und er wollte nicht wissen, wie viele der Männer dies in einem völlig anderen Zusammenhang sahen, vielleicht auch, so seine Meinung, in einem Anfall von Selbstüberschätzung.

Eine Verkäuferin wendete sich an ihn:
„Ich glaube, Sie sind an der Reihe, was darf ich Ihnen den zeigen und zusammenstellen?“ Völlig überrascht, weil einen Augenblick nicht auf diesem Planeten, stotterte er: „Blumen, ich hätte gerne einen Blumenstrauß.“ Die gut aussehende Frau hinter ihm hatte er noch nicht bemerkt, als sie sich einmischte: „ Also, wenn der Strauß für mich wäre, würde ich mich über gelbe Rosen mit blauen Iris ei wenig mit Grün und hübsch gebunden wahnsinnig freuen.“ Er schaute sich erst um, dann sie verdutzt an.
„Mann, sieht die gut aus“ fuhr es ihm durch den Kopf. Das hatte er in diesem Moment ja nun gar nicht erwartet. Er war baff. Zum einen, die Frau war sehr gepflegt und sympathisch, zum anderen diese Bemerkung. Was war das denn? Eine Anmache? Nur eine freundlich unterstützende Hilfe, weil sie seine Unentschlossenheit bemerkt hatte? Oder ganz etwas Anderes? Er bat also der geduldig wartenden, immer noch freundlich schauenden Verkäuferin: „dann geben Sie mir bitte von den gelben Rosen und den blauen Iris“. Sie sah ihn an und fragte: „Gut, was darf der Strauß denn kosten?“ Er blickte in die Runde, dann die Frau hinter sich an und legte etwa 20 – 25 Euro als Preis für den gebundenen Strauß fest.

Im Nacken spürte er wieder diesen Blick, wollte aber widerstehen und sich nicht umschauen. Nach einigen Minuten und weiterem Unwohlsein über das weibliche Wesen, das hinter ihm stand und wie er wähnte, ihn beobachtete, hielt ihm die Verkäuferin den Strauß entgegen mit der Frage: „Ist es recht so?“
Er schaute und nickte mit dem Kopf. „Allerbest“, mehr automatisch antwortend und sich wieder umschauend nach diesem holden Wesen hinter seinem Rücken. Mehrere seiner Versuche waren gescheitert, durch Drehen und Wenden den Rücken frei zu bekommen und „Sie“ vor oder neben sich zu haben und anschauen zu können. Geschickt hatte sie dies die ganze Zeit verhindert. Er stand an der Kasse, zog sein Portemonnaie aus der Gesäßtasche seiner Jeans und wollte seinen Blumenstrauß bezahlen und sein Bonusheft abstempeln lassen. Die Verkäuferin war im Begriff, die Blumen in Papier einzuschlagen.
Plötzlich traf es ihn wie ein Blitz. Er wusste nicht, was da geschah. Diese beeindruckende Frau hatte sich zu ihm hin gebeugt und er spürte ihre Lippen auf seiner Wange. Er tat ganz cool, obwohl ihm abwechselnd heiß und kalt wurde.
„Ich sagte doch vorhin schon, dass ich mich über so einen Strauß sehr freuen würde“, hörte er von ihr die Worte und an die Verkäuferin gerichtet „Sie brauchen ihn gar nicht erst einzupacken.“
Er hielt ihr mit zitternden Händen die Blumen entgegen. Die umstehenden Kunden und die Verkäuferinnen schauten ungläubig, was sich da wohl gerade abspielte. Dann löste er das Rätsel und beugte zu der Frau neben ihm und hauchte: „Bitte schön, gnädige Frau. Mein liebes Ullale, wie gewünscht für mein Herz zum Valentinstag alles Liebe.“ Sie lachten, als sie die verdutzten Gesichter um sich herum wahrnahmen. „Es klappt doch immer wieder, dieses Spiel“ Sie nickte und bemerkte „Männer machen doch so glücklich!“. Er beugte sich zu ihr und gab ihr einen innigen Kuss.

Sie hatten es wieder einmal getan. Sie hatten wieder einmal dieses Spiel gespielt, wie so viele Male vorher in Restaurants, auf Bahnhöfen und an anderen Orten. Es war sicher nicht das letzte Mal. Sie werden es wiederholen, dieses Spiel, dieses Prickeln dabei genießen, die Leute mit ihren Reaktionen beobachten, wohl wissend, was sie da tun.

Heute steht das Plakat mit der Fleurop-Werbung auf seinem Bücherregal. Er hatte im Laden darum gebeten, es ihm zu überlassen. Und sogar auf seine Email an Fleurop hat er eine positive Antwort bekommen. Er darf das Plakat bei dieser Geschichte als Bild verwenden.
Es erinnert die Beiden nicht nur an den Tag der Liebenden, an den Valentinstag, sondern auch an den Spaß im Blumenladen.
 
Bildquelle: © Mit freundlicher Genehmigung von Fleurop.de / Fleurop.de

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