Schützenfest bei Omma

Schützenfest  bei Omma
Schützenfest

… es lag in einem Dorf in der Mitte der Republik, das Haus.


Dort wo die Berge nicht so hoch, wie die hohen, majestätischen Gebirge des Südens oder so anmutig, wie die sanften Hügel des Nordens, aber dafür genau so schön wie diese sind.

 

Es waren wieder einmal Sommerferien.

 

Bei Omma fühlte ich mich wohl, ich war gern dort! Deshalb hatte uns Papa auch dieses Jahr wieder hierher gebracht, die Mama, meinen kleinen Bruder und mich.

 

Omma und ich, wir verstanden uns gut. Wir brauchten nicht viele Worte. Wir waren aufeinander eingespielt im Laufe der Zeit und wir liebten uns. Habe ich das eigentlich schon einmal erwähnt?

 

Es war Sommerzeit, und diese Jahreszeit ist auch Schützenfestzeit. Wie jedes Jahr, fand Anfang August das Schützenfest im Dorf statt. Ein großes Ereignis für alle Ureinwohner, Zugereisten und Besucher. Ich zählte mich natürlich zu der ersten Kategorie, wohnten doch meine Vorfahren seit fast einhundert Jahren hier in diesem kleinen Dorf.

 

Wir liefen beim Festumzug neben der Musik her und dirigierten mit unseren kleinen Armen die Blaskapelle. Die Musiker haben sich dadurch nicht aus dem Takt bringen lassen.

 

Und wie jedes Jahr auch bekam ich von Omma fünfzig Pfennige, von Mama und Gisela auch, um mich auf dem Schützenfest zu vergnügen. Mit 1 Mark 50 ging es dann stolz wie Oscar und als gefühlter Millionär zum Festplatz. Eine Bemerkung gab es noch mit auf den Weg, von Mama. Wenn Du schon von Omma Geld kriegst, bring ihr wenigstens was mit! So sollte es sein.

 

Für Omma kaufte ich wie jedes Jahr Honigkuchen. Den mochte sie sehr gerne.

Mama brachte ich gebrannte Mandeln mit. Das war etwas, was sie nicht lange liegen sehen konnte. Das wusste ich. Gisela bekam eine an der Schießbude selbst erlegte Rose. Onkel Heinrich hat mich dafür extra hochgehoben, damit ich besser zielen konnte. Ich hatte das Gefühl, das Gewehr war ungefähr zehnmhl so groß wie ich. Trotzdem fiel nach dem Knall die Rose aus dem weißen Tonröhrchen. Das wunderte mich zwar ein bisschen, weil ich ich meine Augen schon vor dem Knall zu gekniffen hatte. Egal, sie gehörte mir.

 Onkel Heinrich er war übrigens einer von etwa einhundertsiebenundachtzig "Onkeln" von mir im Dorf. Das gleiche galt übrigens für die "Tanten", die immer wie "Berge" auf mich zukamen, mich in die Wange kniffen und bemerkten: Du bist aber groß geworden. Sie alle kannten Omma, Oppa, meine Eltern, also kannten sie auch mich.

 

Wie auf jedem Schützenfest, gab es natürlich auch hier ein Vogelschießen. Und das nahmen wir, mein kleiner Bruder, die Nachbarskinder und ich zum Anlass, um Trophäen mit nach Hause zu bringen; nicht zum Anschauen, sondern zu einem ganz besonderen Zweck. Wir, mein kleiner Bruder, die Nachbarskinder und ich, konnten es kaum erwarten, das Vogelschießen nachzuspielen.

 

Dafür hatten wir uns beim Schützenfest schon in eine günstige Ausgangsposition gebracht. Wir haben alles, was von dem "Stangenpiepmatz" übrig geblieben ist, aufgesammelt und zum Hoff getragen, zu dem Apfelbaum. Der stand auf der Weide über dem Hausund hatte einen waagerechten Ast, den selbst wir Kinder erklettern konnten.

 

Natürlich ging es vor diesem "Wettbewerb" erst einmal zu Omma. Ich hatte etwas mitgebracht vom Schützenfest. Besonders gut kam mein Honigkuchen an und ich hatte wieder einen Stein mehr im Brett bei Omma.

 

Dann rannte ich zu den anderen auf die Weide zum Vogelschießen mit den Teilen, die wir beim Schützenfest unter der Vogelstange auf gesammelt hatten. Vogelschießen?

Es war ja eher ein "mit Stöcken nach den Überresten des doch arg gerupften Geflügels werfen". Wir brachten also an dem Apfelbaum mit dem waagerechten Ast, den selbst wir Kinder erklettern konnten, die Teile des ziemlich zerfledderten Etwas an, was mal einen stolzen Vogel darstellte, um unseren eigenen Wettbewerb zu starten. Dieser Wettbewerb hieß: "Wer schafft es, mit Stöcken die Teile, die an den Baum gebunden waren, abzuwerfen?" Es war ein riesengroßes Vergnügen für uns. Erst als das letzte Teilchen abgefallen war, stand der "Schützenkönig" fest.

 

Der Königsball fand anschließend in der Küche statt. Omma hatte das ganze Geschehen vom Fenster aus beobachtet und wusste, wenn wir mit unserem Wettbewerb fertig waren, hatten wir Hunger und Durst. Alles war vorbereitet. Die Gläser gefüllt mit frischer Milch von der Kuh, stießen wir miteinander auf den Erfolg an, auch das allerletzte Fitzelchen von dem hölzernen Federvieh vom Apfelbaum geholt zu haben. Wir haben es genossen, dass Omma sich so um uns gekümmert hat.

 

Wenn ihr wissen wollt, was sie davon gehalten hat, was sie dazu sagen würde.

 

Ich werde sie fragen.

 

Ich rede mit ihr, und das geschieht täglich! Und das ist es, was mir Trost gibt und die Hoffnung, sie eines fernen Tages wieder zu sehen.


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