Ostern bei Omma

Ostern, Omma, Kindheitserinnerungen, Geschichten
Osterhase in der Tonne

… es lag in einem Dorf in der Mitte der Republik, das kleine Dorf.

 

Dort wo die Berge nicht so hoch, wie die hohen, majestätischen Gebirge des Südens oder so anmutig, wie die sanften Hügel des Nordens, aber dafür genau so schön wie diese sind.

 

Es gab eine Zeit im Jahr, die ich besonders mochte. Die Tage wurden immer länger und es war bald Ostern. Der Frühling war und ist immer die Zeit der beginnenden langen Tage, die Zeit des neuen Lebens. Überall in der Natur regte es sich. Knospen, kleine Triebe, die ersten zaghaften Versuche, dem ausklingenden Winter Paroli zu bieten. Bereits Wochen vorher kamen die ersten Boten zum Vorschein. Es waren Hasel, Krokus und ich mochte besonders die Schneeglöckchen. Sie waren die Ersten jedes Jahr. Zuerst kämpften sich seine weißen Blüten durch die Reste von Schnee. Schließlich waren es große weiße Flecken auf dem noch blassen dunkelgrün des winterlichen Grases.

 

Aber, es war wie ein Signal.

 

Danach explodierte die Natur, wenn die Temperaturen mitspielten. Krokus, Löwenzahn, Primel, und einige mehr zeigten sich jetzt, trotzten dem Winter, der immer mal wieder zurückfand mit Frost und Schnee. Als dann auch das Buschwindröschen blühte und wie ein weit sichtbarer weißer Teppich scheinend, die Wald- und Feldränder eroberte, wusste ich es. Der Frühling kommt! Es musste nun bald soweit sein, es musste bald Ostern sein.

 

Ich war, wie in allen Ferien im Sauerland bei Omma.

Eiersuchen, eher Eier finden war ein Problem in diesem Jahr. Die Natur war bereits grün und in ihrer Entwicklung weit fortgeschritten. Es war außergewöhnlich mild zu diesem Osterfest. Das war uns aber nur recht. Wir konnten dann draußen auf den Osterhasen warten und Eier suchen. Also, wir, mein kleiner Bruder und ich waren zwar vom Lande, aber an den Osterhasen glaubte ich zumindest nicht mehr. Ich hatte mitbekommen, wer die Eier versteckte. Es gab ihn doch nicht mehr, den Osterhasen? Oder…?

 

Ein ganz besonders Ereignis ließ mich daran zweifeln, ob ich denn richtig lag mit meinem Wissen um das Tier, dem das Fest seinen Namen verdankt. Es war Ostersonntag, morgens nach der Kirche. Wie immer an Ostern liefen wir unseren Eltern, Omma und den Anderen hinterher und suchten nach was *Süßem* Als wir so im Garten umherliefen, sprang ein paar Meter vor uns ein Hase aus seiner Sasse* auf. Er ist wohl aufgeschreckt worden, als wir ihm zu nahe kamen. Wir schauten uns fragend an, mein kleiner Bruder und ich. Als wir dort in der Nähe, wo der Hase wohl gelegen haben mag, einige versteckte Eier fanden war für mich klar.

 

Es gibt ihn doch, den Osterhasen.

 

Es müssen also nicht alle Kinderbücher neu geschrieben werden. Ich kann es bezeugen. Ich habe ihn gesehen. Es gibt den Osterhasen. Wenn es ihn nicht gäbe, wäre Ostern ja überflüssig, zumindest aus Sicht der Kinder. Denn die sind es, die uns die Geschichten erleben lassen, uns glauben lassen an die kindliche Neugier. Uns wissen lassen, dass es noch etwas anderes gibt, als das, was wir im Alltag immer als Realität bezeichnen.

 

Es gibt so etwas wie Phantasie in jedem von uns. Jeder erlebt bestimmte Dinge anders. Das liegt an den Erfahrungen und Erinnerungen, die jeder in seinem eigenen Leben gemacht und gesammelt hat.

Und jeder von uns weiß auch, dass alles, was wir real oder in unserer Phantasie erleben, zu unserem Leben gehört.

 

Omma und Mama hätten sicherlich auch etwas dazu zu sagen. Das weiß ich. Mit ihnen kann ich ja täglich sprechen. Und das ist es, was mir Trost gibt und die Hoffnung, sie eines fernen Tages wieder zusehen

 

 

*Sasse — Hasenlager, Windschutz, meist nur flache Kuhle, in der der Hase geduckt, mit angelegten Löffeln (Ohren) mit der Nase gegen den Wind liegt und ruht.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Micha (Sonntag, 18 März 2012 16:43)

    ...mit ein bißchen Pippi inne Augen gelesen und für schön befunden. Ich mag deine Erinnerunsgreisen, abba das weißt du ja. ^^

  • #2

    UllaLionne (Sonntag, 18 März 2012 17:54)

    Ich wusste es doch, es gibt ihn!
    Gefällt mir, dein Ostern :-)

  • #3

    Margit Rosalie (Samstag, 02 Juni 2012 21:50)

    Diese kleine Reise in die Vergangenheit tat gut. Sie weckte eigene Erinnerungen. Schön! Liebe Grüße