Das Forsthaus

Mein Opa der Förster
Mein Opa der Förster

 

 

…es lag in der Mitte der Republik, das kleine Dorf.

 

Dort wo die Gipfel nicht so hoch, wie in den hohen, majestätischen Gebirgen des Südens oder so anmutig, wie die sanften Hügel des Nordens, aber dafür genau so schön wie diese sind.

Am Rande dieses kleinen idyllischen Dorfes lag das alte Forsthaus. Eigentlich war es ja kein typisches Forsthaus. Die haben ja mitten im Wald zu liegen, wie man langläufig annimmt.

Es war aber ein typisches Haus für diese Gegend.

Dort wohnten wir.

 

In einer kleinen Dachwohnung hatten sich meine Eltern, mein Bruder und ich eingerichtet. Unten wohnte der Förster mit seiner Frau. Dieser Mann war ein Förster, wie man ihn sich heute noch vorstellt. Grüner Rock, Bart, zumindest Schnauzer, Flinte auf dem Rücken, Jagdterrier an seiner Seite und wenn er zu Hause saß und seine Jagdzeitung las, lag auch immer eine glimmende Zigarre, an der er ab und an genüsslich zog, auf dem gusseisernen Aschenbecher mit den Jagdmotiven. Ein Bild, das sich seit meiner Jugend in meinem Kopf befindet. Es ist eines von diesen Bildern, mit denen man schöne Erinnerungen verbindet.

 

Die Schule hat noch Spaß gemacht. Es gab dort nur zwei Klassen in der alten Dorfschule. Eine in die mein Bruder, fünf andere Kinder und ich gingen, eine andere war für die „Großen“. Für die kalte Jahreszeit stand dort ein alter gusseiserner Ofen, der das Klassenzimmer bei frostigen Außentemperaturen aufwärmte. Kein Leistungsdruck, so wie ihn unsere Kinder und Jugendlichen seit einiger Zeit kennen, um einen halbwegs vernünftigen Start in ein hartes Leben zu haben.

 

Ja, wir Zwei, mein Bruder und ich! Wir waren die „Herrscher“ des Waldes. Gleich hinter unserem Haus begann es, unser Reich.

Wir waren kaum aus der Schule daheim, hatten das Mittagessen verdrückt und die Hausaufgaben gemacht, da ging es auch schon raus. Raus in die Natur, in den Wald. Wir spielten allein oder mit den Nachbarskindern. Schnitzeljagd war dabei besonders beliebt. Mir hat es immer besondere Freude gemacht, auch einfach nur zu beobachten. Zu schauen was sich denn da regte und bewegte. Da waren die großen Tiere des Waldes wie Hirsche, Rehe, Wildschweine, Hasen und andere.

 

Aber ich weiß nicht warum! Die kleinen Dinge haben mich viel mehr interessiert. Die Vögel mit ihrem Gezwitscher, das sich im Winter flehendlich anhörte und vom Frühling bis in den Sommer immer fröhlicher, als wollten sie mir damit sagen, wir singen nur für Dich…., Du weißt es zu schätzen, Du hörst uns zu!

 

Da war noch dieser Mikrokosmos. Insekten und Pflanzen, die kaum jemand wahrnimmt; Ameisen, Spinnen, Falter, Käfer, Schnecken, Blindschleichen, kleine Blümchen, wie das Veilchen, die Primel oder das Gänseblümchen, das Buschwindröschen, das Erste im Jahr, dessen Blütenpracht sich wie ein weißer Teppich am Waldrand entlang zog und in den lichten Hochwald weiter wuchs.

 

Im Holzschuppen hinter dem Haus bauten regelmäßig jedes Jahr Wespen und Hornissen ihre filigranen, hauchdünnen Nester aus *Papier* und ich ging täglich dort hin, um mir fasziniert anzuschauen, um wie viel die kleinen Baumeister Ihr Heim schon wieder vergrößert hatten. Meine Mutter hat regelmäßig die Krise gekriegt, wenn sie das aus dem Fenster beobachtete. Es dauerte nicht lange und sie rief: „Pass auf, geh da ja nicht zu nah ran, die stechen!“ Mich hat nie eine gestochen. Die kleinen Flugkünstler und Baumeister haben wohl gewusst, dass ich Ihnen nicht Böses wollte.

 

Ich war fasziniert von diesen kleinen „Wundern“ und bin es heute noch, an den wenigen Tagen, den wenigen Stunden, an denen ich die Zeit finde, in meinem eigenen kleinen Garten zu sitzen und nur zu beobachten oder lange mit offenen Augen durch die Heide oder den Wald zu laufen.

 

Genauso wie damals…und die Erinnerungen kehren zurück.

 

Oft denke ich an diese Zeit zurück und es sind durchweg positive Erinnerungen. Bilder der Kindheit sind gespeichert und sind wie Blitze plötzlich da, zaubern einem ein Lächeln auf die Lippen und Menschen, die zufällig bei einem stehen, schauen mich verwundert an und lächeln zurück.

Ich lasse im Geiste die Zeit Revue passieren. Die Gedanken sind bei den Menschen, die zu der Zeit um mich waren, bei meinem Vater, meiner Mutter, meinem Bruder, meiner Oma, meinem Opa, dem Förster. Es gibt heute nur noch einen davon der lebt, meinen Bruder.

 

Reden kann ich aber noch mit Allen und das täglich! Und das ist es, was mir Trost gibt und die Hoffnung, sie alle eines fernen Tages wieder zu sehen.

 

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