Zurück in die Kindheit … oder wie bei einem Samstagsausflug die Erinnerungen lebendig werden

Zurück in die Kindheit, Ausflug, Erinnerungen, Kindheit, Sauerland
Wenn Erinnerungen lebendig werden

An einem schönen Samstag im Oktober 2011 machten wir uns auf den Weg. Geplant war ein Besuch zu den Orten meiner Kindheit.

Nach einem ausgiebigen Frühstück und dem Vorbereiten eines Proviantpaketes in Form von belegten Broten, gekochten Eiern, Bananen und diversen Tüten voll mit Produkten einer gewissen Firma HARIBO machten wir uns auf den Weg.

Über die Autobahn ging es nach Süden. Unser Ziel war das Sauerland. Denn dort lagen die Orte, wo ich geboren wurde, wo ich meine Kindheit verbrachte.

Auf dem Weg gab es eine Station, an der wir unbedingt etwas einkaufen wollten. Ich kannte diesen kleinen Laden dem Namen nach von früher. Auch haben meine Eltern und Tanten dort, immer wenn sie der Weg ins Sauerland führte, dort Blut- und Leberwurst eingekauft und die restliche Familie damit versorgt. In dieser kleinen Metzgerei in dem kleinen Ort Berge wird noch selbst geschlachtet und man kann gewiss sein, dort alles sehr frisch zu bekommen.

Als diese Besorgung erledigt war und wir mit unserer von der Verkäuferin eingeschweißten Wurst wieder im Auto saßen, gingen mir Bilder durch den Kopf. Ich dachte an meine Eltern. Auch die weitere Fahrtroute erinnerte mich an sie. Sind wir doch damals als Kinder zusammen mit Mama und auch mit Papa immer mit dem Bus von meinem Elternhaus zum Forsthaus und zurück gefahren. Mein Elternhaus liegt in Wennemen und das Forsthaus in Bilstein. Dieser Ost meiner Kindheit war heute das eigentliche Ziel dieser Reise.

Wir parkten den alten Schweden mitten im Dorf. Zu Fuß wollten wir uns erst einmal umschauen und vielleicht einige Fotos machen. Da kam uns die oben auf dem Berg liegende Burg Bilstein gerade recht. Bei herrlich blauen Himmel ein tolles Motiv von unten aus dem Ort. Das alte Gemäuer, das heute als Jugendherberge dient, ist in einem recht guten Zustand. Auch das wurde bildlich dokumentiert.

Hinter der Burg liegt der Rosenberg. Es war das Revier unserer Kindheit, das meines kleinen Bruders und meines. Dort haben wir gespielt, sind herumgelaufen und waren glücklich. Von einigen zurückliegenden Besuchen dort wusste ich, dass sich einiges verändert hatte. Viele neue Häuser waren gebaut, andere abgerissen oder baulich verändert worden. Beim Forsthaus waren die Veränderungen für mich eher äußerlich zu erkennen. Hinein konnte ich nicht, weil das Haus vor vielen Jahren bereits verkauft worden ist. Aber rings um das Haus war etliches anders als zu meiner Kindheit und wie in meinem Kopf verankert. Auch die nähere Umgebung entsprach nicht mehr den Bildern der damaligen Zeit. Dort wo heute einige neue Wohngebäude stehen, liefen damals Hühner auf der großen, am Hang liegenden Wiese herum. Ein großer Hühnerstall war ihr zu Hause. Große verzinkte Gefäße mit Futter und Wasser waren um das Hühnerhaus verteilt.

Wenn man von der Burg aus den Weg rund um den Berg geht, kommt man auch am Forsthaus vorbei, das sich einige Meter unterhalb des Weges an den Hang kuschelt. Zwischen dem Haus und dem Weg oberhalb gibt es einen schmalen Verbindungspfad durch ein Lärchenwäldchen. Der diente uns im Winter als Rodelpiste. Und etliche Male, wenn wir unten am Haus die Kurve nicht kriegten, landeten wir mit unserem Schlitten im Zaun, der das Haus umgab. Auch die Hühnerwiese war ein beliebter Platz zum Rodeln und Rutschen.

Die Bäume oberhalb des Rundweges um den Rosenberg sind zu stattlichen Fichten und Buchen herangewachsen. Vor mehr als fünfzig Jahren sind sie dort als kleine Setzlinge von meinen Eltern und Großeltern in die Erde gesteckt worden und versuchten von da an rasch groß zu werden, allen Widrigkeiten zum Trotz.

Irgendwann hieß es „Tschüss Forsthaus“. Wir wollten noch einige andere Orte rund um Bilstein aufsuchen. Kirchveischede war so ein lohnendes Ziel mit seinen malerischen Fachwerkhäusern, die nach einem Brand im 18. Jahrhundert wieder aufgebaut worden waren. Weitere Stopps machten wir in Oberveischede und Tecklinghausen.

Nicht zuletzt gibt es auch noch die „Hohe Bracht“. Dort steht ein Aussichtsturm mit Café, Restaurant, natürlich mit einem wunderschönen Panoramablick über die Ortschaften in den Tälern sowie die Hügel und Berge ringsherum. Als Kinder waren wir öfter dort. Oft kutschiert von Oma mit ihrer tollen Karosse. Dieser Lloyd Alexander verfügte bereits über die Fähigkeit, vier Erwachsene (Oma, Opa, Mama, Papa) und uns zwei Jungens die Berge hinauf zu schaffen. Wenn ich mich recht entsinne, tat er dies mit etwa dreieinhalb PS pro Insassen. Enorme Leistung! Aber auch zu Fuß meisterten wir die knapp vier Kilometern mit unseren Eltern. Sonntags, wenn Papa auch da war, erkundeten wir die Umgebung. Er kam nämlich erst samstags nachmittags mit dem Zug aus Bochum, wo er arbeitete. Damals war der Samstag noch ein fast normaler Arbeitstag.

Nachdem wir auch diese Station unseres Ausfluges bildlich festgehalten hatten, entschieden wir, uns langsam auf den Heimweg zu machen. Aber erst einmal stärkten wir uns auf dem Parkplatz oben auf dem Berg und verputzten die mitgebrachten Leckereien aus dem Picknickkorb.

Wir fuhren den gleichen Weg zurück und beabsichtigten, noch einen Halt in Wennemen zu machen. Dort wollte ich noch einmal den Weg am Haus, meinem Elternhaus, hochfahren. Trotz Verbotsschildes, das aber mit dem Hinweis „Anlieger frei“ entschärft wurde, steuerte ich den alten Schweden den Berg hinauf Richtung Wald. An einigen Häusern vorbei, die mir aus meiner Kindheit vertraut waren, führte der Weg über eine Autobahnbrücke. Darunter schlängelt sich, an die Hügel und Berge geschmiegt der Sauerland Highway. Diese Autostraße ist vor einigen Jahren quer durch das Sauerland gebaut worden und schließt im Norden an die A 44 an. Das ermöglicht Besuchern aus dem Ruhrgebiet einen schnellen Zugang zu den Naherholungsgebieten der Region südliches Sauerland.

Da auch Erholung ein Ziel des heutigen Tages war, stellte ich das Auto am Ende des asphaltierten Teils des Weges neben einem großen Holzstapel ab und gingen von da zu Fuß. Ein Stück weiter beginnt ein Hohlweg, der mir noch in guter Erinnerung ist. Dort oben an den Hängen des Berges gab es Wiesen und Weiden. Mindestens zweimal im Jahr wurde dort gemäht und Heu als Viehfutter für den Winter gemacht. Auf große Leiterwagen etwa vier Meter hoch geladen transportierte man damals das getrocknete Gras zum Hof. Wir Kinder waren immer dabei. Wir halfen auch mit großen Harken das heu zu wenden, damit es besser trocknen konnte. Als Belohnung für diese Schwerstarbeit durften wir oben auf dem Heuwagen mit nach Hause fahren. Es war herrlich und wie habe ich in einer meiner Erinnerungsgeschichten geschrieben?

 

Wir hatten einen herrlichen Ausblick dort hoch oben auf dem (nicht gelben, das war erheblich später und nicht von mir) Leiterwagen. Und man konnte sich dort auch auf den Rücken legen und nach oben schauen. Man sah Vögel, Insekten, den Himmel, die Sonne, Wolken, die in immer neuen Formen und Figuren vorbeizogen. Es machte mir außerordentlichen Spaß diese Figuren und Formen zu erkennen und lautstark an die anderen zu melden, wie „kuck mal, da ist ein Schäfchen, sieht die nicht aus wie ein Baum?” und, und, und…

Mit stoischer Gelassenheit kam dann von den Erwachsenen zurück, “ja, das sehen wir“ und sie lächelten…..immer und immer wieder.

 

Nach einer weiteren Stunde Aufenthalt an den Stationen meiner Kindheit bog ich rechts ab und wir fuhren wieder auf die Autobahn Richtung Heimat, der Autobahn folgend Richtung Norden.

 

Nachsatz

 

Gut vier Wochen später erfuhren wir, dass der Ausflug etwas teurer geworden ist als geplant. Auf einer Landstraße machte ein freundlich und ruhig am Straßenrand stehender Fotoautomat ein schönes Foto von mir. Und nun wollen Sie ziemlich viel Kohle dafür haben. Unverschämtheit!