Eisen trifft Bronze

 

Uns war zu Ohren gekommen, dass am 18. August eine Zusammenkunft der Eisenzeitler stattfinden sollte. Und das war noch nicht alles. Leute aus der Bronzezeit waren zum Eisenzeithaus in Venne gereist. Ich weiß nicht genau ob diese Menschen Vorfahren der aus der Einsenzeit stammenden Bewohner dort waren. Die Frage konnte mir auch niemand dort abschließend beantworten.

Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen, holten unsere Zeitmaschine aus dem alten Schrank im Keller, positionierten sie zentral in der Küche und drückten den roten Knopf. Ein leises Summen verriet uns, dass der Antrieb begann, seine Funktion aufzunehmen.

Als das Ding startklar meldete, gaben wir das Ziel ein und rauschten los. Punktgenau landeten wir auf der Wiese unterhalb des Burggeländes. Wir sahen ein buntes Treiben in dem alten Dorf und begaben uns auf Erkundungstour.

 

Händler, die ihre Waren feilboten, Handwerker, die ihr Können zeigten und Künstler, die für das Schöne in dieser Zeit sorgten wurden von den Besuchern belagert und mit Fragen gelöchert. Immer wieder gaben sie bereitwillig Auskunft zu dem, was sie gerade taten oder was in ihrer Nähe geschah.

 

Da waren die „Gastwirte“, die ihren Gästen Getränke anboten. Mulsum, Aqua, Sapa, Met und Vinum standen auf der Getränkekarte. Die Translation finden Nichtlateiner auf dem Foto. Und das Pfand wurde für die selbst getöpferten tollen Weinschalen erhoben. Tolles Team dort in der Schänke.

 

Eine Färberin hatte Tuch in einem Kochtopf und färbte diese rot. Der Farbstoff hierfür wurde aus dem Färberkrapp oder genauer gesagt aus dessen zerkleinerten Wurzeln gewonnen. Alles in einen Topf, heiß gemacht und die Wolle kommt kräftig rot aus dem Kessel. Hier haben wir gelernt, dass man Wolle auch kochen kann, ohne dass sie verfilzt oder großartig einläuft. Man muss sie nur in kaltem Wasser aufsetzen und im Topf mit der Färbeflüssigkeit wieder abkühlen lassen.

 

„Hör mal, wer da hämmert“, sagte meine Frau. Ich drehte mich um und in der Schmiede dengelte ein Mann eine Sichel. Mit viel Geschick und genauem Schlag plättete er den Rand der Klinge. Die war danach rattenscharf. Der Schmied hatte hier auch vorgeführt, wie man aus einem großen Nagel einen schönen Anhänger anfertigen kann. Meine Gattin hat dann auch gleich für ein paar Taler einen dieser zu einem Schwan geformten Nägel erworben, nachdem sie erfahren hatte, dass dieses Schmuckstück Glück bringen solle.

 

Im Übrigen gab es noch weitere metallhandwerkliche Angebote. Groß und Klein konnten unter fachlicher Anleitung Fibeln aus Metall herstellen, Gewandnadeln und Vorläufer unserer heutigen Sicherheitsnadeln. Weiterhin versuchten sich die Menschen in dieser Werkstatt mit Schnitzen von Dingen aus Geweih.

 

Ein Mitglied der Sippe der Eisen- und Bronzezeitmetaller gab einen Einblick in sein filigranes Handwerk. Feinste Metallfäden aus Gold und Silber werden beim Tauschieren, so nennt man die Technik, vor allem in das Eisen von Waffen eingehämmert wurden. Eine Wahnsinnpräzisionsarbeit ist das und hat Ähnlichkeit mit heutigen filigranen Emaillearbeiten.

 

Voraussetzung für die Herstellung solcher tollen Metallgegenstände ist natürlich ein Rohmetall, was erst gewonnen werden muss.

Zu Gast beim Eisenzeithaus war die Sippe des Sachsenhofes aus Greven-Pentrup. Diese Sippe beherrscht neben anderen Dingen das Legieren, Schmelzen und das Gießen von Bronze. Vor allem die kleinen Gäste des Standes waren begeisterte Helfer der bronzezeitlichen „Schwermetaller“. Ob am Blasebalg, beim zerschlagen der Gussformen oder beim Ausprobieren der Bronzeaxt, sie zeigten vollen Einsatz.

Die Chefin des Clans namens Liesel erläuterte Wissbegierigen Gewinnung von Lindenbast und die Herstellung von  gedrehten Schüren und Bändern hieraus. Diese Technik eigneten sich viele Jahrhunderte später sogar die Wikinger an, um daraus die Seile für ihre Schiffssegel zu fertigen.

 

Auf dem Platz fand man noch eine Wollwerkstatt, in der Wolle gefilzt und mit den Färbemöglichkeiten der damaligen Zeit eingefärbt wurde.

Die Kinder konnten sich im Bogenschießen üben und sich mit anderen Geschicklichkeitsspielen die Zeit vertreiben.

 

Im Eisenzeithaus waren die Kleinen mit Begeisterung beim Töpfern und auch noch mit anderen Verfahren für die Erzeugung bestimmter nützlicher Dinge der damaligen Zeit beschäftigt.

Einige Gegenstände des täglichen Lebens sind dort auch ausgestellt, wie etwa ein Webstuhl mit der dazugehörigen Wolle oder ein Mahlstein für das Getreide. Etliche Besucher stellten fest, dass das Mahlen der Körner eine schweißtreibende Angelegenheit gewesen sein muss.

 

Und gab es dann mal wirklich nichts zu tun, vertrieb man sich die Zeit mit Würfelspielen. Die Spielsteine hierfür waren aus Sprunggelenksknochen von Tieren. Besonders gut flogen sie wohl, wie man nur spekulieren kann, wenn reichlich Met und Vinum mit im Spiel waren. Oder gab es diese Getränke damals noch gar nicht?

 

Auf zwei kleinen Außenflächen wurde informiert über den Anbau von Getreide, Kräutern und anderen Nutzpflanzen. Und wie man auf den Fotos unschwer erkennen kann, erfreuen sich auch die Insekten an diesen Gewächsen.

 

Noch schnell eine Runde über das Gelände gedreht, ob wir auch nichts Wesentliches vergessen hatten, dann zurück zum Reisegefährt, den Knopf an unserer Zeitmaschine gedrückt und wenig später sind wir wohlbehalten zu Hause angekommen.

Es war ein tolles Erlebnis, zu sehen, wie die Menschen vor mehr als zweitausend Jahren gelebt, gearbeitet und ihre wenige Freizeit verbracht haben.

 

Und wer jetzt neugierig geworden ist, kann hier Informationen finden, wie er sich auf eine ähnliche Reise begeben kann.

 

www.eisenzeithaus.de

 

www.heimatverein-greven.de    für das Freilichtmuseum Sachsenhof in Greven-Pentrup

 

 

Wir wünschen viel Spaß beim Stöbern