Weihnachtsbaum, Weihnachten, Tigerente
Am Weihnachtsbaum ...

Ein schöner Heilig Abend sollte es werden.

 

Mama hatte alle Geschenke schon lange an den diversen Stellen, die man als Kind „Gott sei Dank“ ja nicht so präsent hat, deponiert. Papa hatte wie jedes Jahr den Tannenbaum geholt und eingestielt. Der Kühlschrank war mit den nötigen Leckereien für das Festessen gut gefüllt und brummte freudig erregt vor sich hin.

Nach dem Mittagessen wurde das Wohnzimmer für die Kinder gesperrt. Es waren sieben an der Zahl im Alter von drei, vier, sechs, sieben, elf und vierzehn Jahren. Wer jetzt nur sechs gezählt hat liegt zwar damit richtig, aber die Dreijährigen waren in Form von Zwillingen doppelt vertreten. Nun mussten sich alle auf ihren Zimmern aufhalten, damit Mama in Ruhe den Baum schmücken und das Zimmer festlich herrichten konnte

 

Am frühen Nachmittag fuhr Papa dann mit der Bande zur Weihnachtsandacht in die Kirche. Jetzt war es an der Zeit, dass Mama die Geschenke aus ihren Verstecken holen und liebevoll auf dem großen Tisch im Esszimmer aufbauen konnte. Dies war eine echte Herausforderung, denn oft waren die Verstecke so gut oder es gab die ein oder andere zusätzliche Kleinigkeit, dass man da schon mal eines der Geschenke aus dem Blick verlieren konnte. Das Vergessene tauchte dann immer irgendwann im nächsten Jahr plötzlich auf und sorgte so für allgemeine Erheiterung und bei einem Familienmitglied für eine echte Überraschung. Wenn dann aber Alles an seinem Platz lag, machte sich auch Mama fein, zündete die Kerzen an und belohnte sich für die viele Arbeit mit einem gemütlichen Glas Sekt bevor die Bescherung beginnen sollte.

Dann ertönte das Glöckchen und die Kinderschar, die in der Kirche nun auch den religiösen Sinn von Weihnachten mitbekommen hatte, stürmte relativ geordnet in das festliche Wohnzimmer. Zuerst wurde immer der Weihnachtsbaum gebührend bewundert und überlegt, welche neuen Dekorationen es wohl diesmal an den Baum geschafft hatten. Anschließend wurde die Weihnachtgeschichte aus dem Neuen Testament vorgelesen.

Danach ging es dann endlich zur Bescherung und da die Kleinen der Familie im Kindergarten dieses Jahr fleißig gebastelt hatten, durften sie ihre Geschenke als Erste verteilen. Endlich kamen dann auch alle anderen an die Reihe und es gab ein freudig erregtes Auspacken mit vielen „Ohs“ und „Das hab ich mir immer schon gewünscht“.

 

Nachdem sich dann alles wieder beruhigt hatte, bemerkte Mama, dass eines ihrer Zwillingsmädchen etwas traurig drein sah. Auf die Frage, was sie denn hätte, dass sie so traurig wäre, antwortete Melli: “Ach Mama, ich habe so ein schönes Geschenk für Dich und Papa gebastelt und von Euch gar nichts bekommen, nur was vom Christkind. Das finde ich gemein und ungerecht!“.

Ups, da hatte aber jemand einen festen Glauben gehabt.

 

Im nächsten Jahr war allerdings Alles geklärt. Leider!

 

Ulla Grothues

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