Ein Wintermärchen

Wie jedes Jahr fuhren wir auch in diesem nach Weihnachten ins Nordland.

 

Es war schmuddelig unterwegs und nachts kommt einem das noch drastischer vor. Nieselregen in der Dunkelheit machte das Fahren anstrengend. Wir hatten die Reise so geplant, dass wir um sechs Uhr am großen COOP zum Einkaufen ankommen würden. Um fünf standen wir dort und konnten, in eine Decke gehüllt, noch ein wenig die Augen schließen nach zwölf Stunden ermüdender Fahrt.

Um kurz vor sechs wurden wir von zuschlagenden Autotüren um uns herum geweckt. Ziemlich groggi rafften wir uns auf und tauschten unsere wärmenden Decken mit dem unangenehmen Weg zum Ladeneingang. Unangenehm deshalb, weil es schlicht viel, viel kälter war als unter den Decken und weil mittlerweile Schneeregen den Nieselregen verdrängt hatte.

Also schlurften wir, anfangs noch etwas orientierungslos, durch die Gänge zwischen den Regalen und arbeiteten unseren Einkaufszettel ab. Einen gewissen Vorrat haben wir immer in Schweden. Wenn Schnee angesagt ist, kann es ruhig ein wenig mehr sein. Wer weiß, ob es in den nächsten Tagen im Wald befahrbare Wege gibt, wenn der Nachbar nicht da ist um den Schnee aus dem Weg zu räumen.

Nun ja, unseren Einkaufswagen voll mit mehr oder weniger gesunden Sachen im Auto verstaut, machten wir uns auf die letzte Etappe von etwa vierzig Kilometern.

 

Immer noch im Dunkeln kamen wir Zuhause an, luden das Auto aus und machten erst einmal die Hütte warm. Ich kann Euch sagen, es ist ganz schön saukalt, wenn ein Haus vier Wochen so unbeheizt im Wind steht. Es dauert etwa vierundzwanzig Stunden, um alles, was warm werden muss, von etwa sechs Grad auf normale Raumtemperatur von wenigstens zwanzig Grad plus aufzuwärmen. Luft, Wände, Möbel, Teppiche, das was in den Schränken ist, einfach jedes Atom im Erdgeschoss des Hauses muss auf Temperatur gebracht werden. Ja, auch im Schlafzimmer ist dann alles nur etwa fünf Grad warm, brrrrrrr.

 

Oben heizen wir im Winter nicht. Die Zimmerdecken sind durch die alte Methode so gut isoliert, dass keine Kälte nach unten dringt.

Als alles soweit im Kühlschrank verstaut und die Aufwärmung auf den Weg gebracht worden war, dämmerte es draußen schon. Es war kurz nach neun Uhr. Der Schneeregen hatte sich überlegt, eine Pause zu machen. Also zogen wir uns wieder draußen tauglich an und machten uns auf den Weg quer über die Wiese Richtung Waldrand. Dort hatte ziemlich genau acht Wochen vorher eine Wahl stattgefunden. Unser Enkel Carl, der seinerzeit mit seinen Eltern, seiner kleinen Schwester und uns hier war, hatte einen Weihnachtsbaum ausgesucht. Ihr müsst nämlich wissen, wir haben jedes Jahr zwei Christbäume. Neben dem in Deutschland stellen wir auch hier im Nordland noch einen auf und schmücken ihn. Auch wenn es schon nach Weihnachten ist. Wir würden sonst etwas vermissen, wir alten Sentimentalen. Den Baum suchen wir jedes Jahr im Herbst schon aus.

 

Also, Säge aus der Jackentasche, ritsch, ratsch, Tannenbäumchen unter den Arm geklemmt und ab nach Hause. Dort Bäumchen einige Male geschüttelt, wegen der Tropfen und der losen Nadeln und dann ins mittlerweile leicht auf Temperatur gebrachte Wohnzimmer. Die Sachen zum Schmücken hatten wir bereits beim letzten Aufenthalt dort hin gestellt. Das Einstielen, Behängen und Beleuchten ging daher recht flott.

Nur noch den Stecker zum Stromtransport an den Stromlieferanten anschließen und der kleine Christbaum strahlte.

 

 

 

Carls Weihnachtsbaum


Neun Stunden und ein Bier und ein Schnäpschen als Willkommenstrunk später fielen wir dann, nach mittlerweile fast vierundzwanzig Stunden rechtschaffen müde in unsere mit Körnerkissen angewärmten Betten. Manchmal darf man auch noch ein Weichei sein, oder?!

Oder waren wir gar keine Weicheier? Die Temperatur im Schlafzimmer betrug nämlich immer noch keine dreizehn Grad! Und durch die Ritzen am Fenster zog es weiter so herrlich kühl ins Zimmer!

Die nächsten Tage entschädigten uns aber dann für den schmuddeligen Beginn unseres Aufenthaltes hier oben. Der klägliche Rest des letzten Schneegestöbers lag noch vor der Scheune, als es in der Nacht zu Silvester erneut zu Schneien begann.

Und dieser Schnee blieb liegen und begleitete uns auch auf unserer Rückreise etliche hundert Kilometer. Die zweite Hälfte der Reise war dann wieder fast wie auf der Hinfahrt, schmuddelig, nieselig, einfach gruselig!

 

So schließt sich der Reisekreis und es war dann noch ein richtig schöner Winterurlaub. Einige Impressionen gibt es in der Fotogalerie.

 

Die halben Nordländer