Silvester Neujahr und einige Tage vor- und nachher

Brännhult, letzter Abweig nach Zuhause
Brännhult, letzter Abweig nach Zuhause

Winterurlaub? Nein davon waren wir auch in diesem Jahr über Neujahr meilenweit entfernt in unserem Haus inmitten der schwedischen Wälder nicht weit vom See. Obwohl, so ein kleines Stück von dieser „kalten“ Jahreszeit haben wir doch abbekommen.

Auf dem Weg gen Norden wurde es immer kälter. Hier noch +4°, unterwegens bis –8° und als wir ankamen dort im Nordland zeigte das Display im Auto bis zu –15° an. Und, ja so unglaublich sich das auch anhört, es lag Schnee. Ihr erinnert Euch an Schnee, das sind die kleinen zarten Gebilde, aus Eiskristallen zusammen-gesetzt, die aus den kalten Wolken zur Erde fallen.

Auf den letzten Kilometern Fahrt durch den Wald haben wir die Eindrücke gierig in unserem Gedächtnis aufgereiht, sortiert und in Schubladen gespeichert. Nun sind sie jederzeit als Bilder abrufbar.

Die verschneiten Wege Marken und Bäume, dieser zugefrorene See, diese unberührte weiße Stille, all dies ließ bei uns Gefühle der Zufriedenheit und des Glücks aufkommen. An so einem Ort durften wir sein, durften wir einige Zeit unseres Lebens verbringen. 

Zuhause nicht weit vom See war dann erst einmal das Schneeschäufele das passende Gerät, um ins Haus zu kommen. Fünfzehn  Zentimeter weiße Pracht beiseite geräumt, Auto ausgeladen, alle Klamotten incl. der Kiste Bier im Haus, den Kamin angezündet und schon war es da, dieses wunderbare Gefühl, man hat Urlaub. Jau, Urlaub! Ich meine ja nur. Ich habe ja immer Urlaub behaupten einige, weil ich nicht mehr berufstätig bin. Deshalb bin ich aber nicht ohne Arbeit, woll! Und für mein herzallerliebstes Eheweib ist es schon notwendig, etliche Male im Jahr dieses Gefühl „Urlaub“ zu entwickeln. Sie muss ja leider noch einige Jahre schaffen. Aber ein Ende ist absehbar.

die erste Arbeit
die erste Arbeit

Einiges hatten wir uns vorgenommen für diese zehn Tage inmitten der schwedischen Wälder in dem Haus nicht weit vom See.

Nachdem alles an seinem Platz war, sind wir erst mal raus und haben nach unseren gefiederten Freunden geschaut. Einige Meisen haben uns bei der Auffahrt zum Haus bereits begleitet und lautstark auf den Futtermangel hingewiesen. Wir ließen diesen Protest mal gelten und füllten die Futterhäuser, nahmen die alten Netze der Knödel ab und hängten neue auf. Als Dank kamen sie uns in den folgenden Tagen alle besuchen. Neben den schon erwähnten Meisen (Kohl-, Blau-, Tannen-, Hauben- und Schwanzmeisen) nahmen auch Dompfaff, Grünfink, Kleiber, Buchfink, Eichelhäher und das Kaninchen unser Futterangebot wahr. Jetzt mal ehrlich, ich weiß, dass das Kaninchen keine Federn hat, Körner hat es aber trotzdem gefuttert. Dann waren da noch die kleinen Vierbeiner mit den spitzen Schnauzen und dem etwas längeren nackigen Schwanz. Ja, auch sie leben rund um unser Haus und auf den Wiesen und in den Wäldern. Unter dem Schnee bauen Sie ein Netz von Wegen von Ihren Wohnungseingängen bis zu den potentiellen Futterplätzen.

Nachmittags sind wir losgezogen, um unseren Weihnachtsbaum abzuholen. Die Natur hatte ihn mit einer weißen Decke überzogen. Bereits im Herbst fanden wir den passenden Nadelträger in der Umgebung. Also Säge raus, Bäumchen abgeholzt, auf der Schulter nach Hause getragen und in dem bereits wartenden Christbaumständer verkeilt, aus zwei Metern Entfernung auf geraden Stand geprüft, wieder gelockert und vermeintlich gerade verkeilt, aus zwei Meter Entfernung erneut auf senkrechten Stand geprüft und schließlich endgültig eingeklemmt. Der Baumschmuck wartete bereits im geöffneten Karton auf seinen Einsatz. Liebevoll drapierte meine Frau Kugeln, Holzfiguren, Julböcken aus Stroh und einer Lichterkette an das Bäumchen. Schön sah er aus, unser Christbaum im zweiten Zuhause. Und er strahlte mit unseren fröhlichen Gesichtern um die Wette. Ich glaub, er hat den Strahlewettbewerb gewonnen.

Es war ein schöner Abend. Das Feuer im Kamin hatte bereits den ganzen Raum muckelig aufgewärmt. Der Weihnachtsbaum strahlte immer noch und nach einer Weile sind wir dann, todmüde nach der langen Fahrt und nach all den Beschäftigungen am Nachmittag, ins wohlig warme Bett gehüpft und haben tief und fest geschlafen in der ersten Nacht.


Es sah traumhaft aus, als wir aus dem Fenster schauten. Die Sonne schien und die fünfzehn Zentimeter Schnee lagen jungfräulich auf der Wiese um das Haus, auf den Bäumen und auch auf den Wegen im Wald, wie wir kurze Zeit später sehen konnten. Nach dem Frühstück wollten wir einen ausgiebigen Rundgang durchs Revier machen. Wir gingen langsam und erfreuten uns an der weißen Pracht, der vom Himmel lachenden Sonne und genossen die frische Luft. Bis hin zum See und zu den Nachbarn schlenderten wir langsam, immer wieder stehen bleibend, um in der Ferne oder nah am Wegrand die verschneite Landschaft zu betrachten. Es war berauschend. Einiges davon haben wir in Bildern festgehalten, die wir Euch natürlich auch nicht vorenthalten wollen.

Am nächsten Tag begann es bereits wärmer zu werden und die weiße Decke bekam immer mehr braune Löcher. Die milde Witterung hat langsam aber sicher alle Spuren des kurzen Intermezzos beseitigt. Schade!

Das war die beste Zeit, um die vom Nachbarn Thore bereit gelegten Birkenstämme zu verarbeiten. Etwa drei Festmeter Holz sollten für den übernächsten Winter klein gesägt und gespalten werden. Gespalten natürlich mit der Axt, nicht mit diesem neumodischen Kram (irgendwann werde ich wohl in diesem Bereich auch aufrüsten müssen). Es sollte uns bei dem Schmuddelwetter ordentlich warm werden.

Und wenn mir der liebe Gott meine Schaffenskraft erhält, werde ich auch in den kommenden Jahren dieses Tagwerk mit der Axt erledigen.

die Wohnung unserer Untermieter
die Wohnung unserer Untermieter

Aber wir hatten ja auch noch im Haus das ein oder andere zu erledigen. Von einem dieser Punkte auf unserer Agenda wollen wir noch berichten.

Im Sommer hatten wir beobachtet, wie Hornissen es sich auf unserem Dachboden gemütlich machten. Es war ein ständiges Kommen und Gehen oder besser Hinein- und Herausfliegen dort oben im Giebel. Dort gibt es ein Lüftungsloch, dahinter hatten die Baumeister ihr fragiles Gebilde geschaffen. Wie fragil und vor allem welche Ausmaße es hatte konnten wir erst jetzt sehen. Ich weiß zwar, dass mir diese Tiere nichts Böses antun und sie können ruhig einmal auf meiner Hand herumkrabbeln. Ich werde nicht gleich panisch, weil ich weiß, dass diese kleinen Baumeister nicht aggressiv sind, und ich nicht allergisch gegen den einen oder anderen Stich wäre. Zum Nestbereich halte ich trotzdem einen etwa zwei Meter Respektabstand, um die Brummer nicht zu provozieren. Innerhalb dieser zwei Meter liegt nun auch die Bodenklappe oben im Flur.

Jetzt war es aber an der Zeit, das verlassene Papiergebilde einmal zu inspizieren. Ich hob die Klappe an und schob sie nach vorn auf den Dachboden. Ich konnte es schon sehen, was dort über den Sommer entstanden war. Die Hälfte war bereit herunter gefallen und lag auf der Isolierung des Bodeneinstieges. Die andere Hälfte hing noch so, wie die Tiere sie verlassen hatten über dem Lüftungsloch. Da wir hier ein neues Schutzgitter gegen unbefugtes Einfliegen anbringen wollten, schnitt ich das Nest mit einem scharfen Messer von der Wand und reichte es Ulla, die unten auf dem Flur stand.

Was für ein Gebilde. So zart, so zerbrechlich und doch stabil genug, um etlichen Dutzend Tieren und deren Nachwuchs Halt zu geben. Und diese Präzision und Symmetrie; es ist mir ein Rätsel, wie diese Architekten die Zellen so haargenau sechseckig hinbekommen. Auf den Fotos kann man das sehr gut erkennen.

In diesem Sommer werden sie sich einen anderen Platz suchen und ein neues, fantastisches Wohngebäude mit Kindergarten und Restaurant für Hornissen errichten.

Die Agenda war abgearbeitet und wir bereiteten uns auf die Heimreise vor. Hier hatten wir eine Wetterprognose bekommen, die von der Wirklichkeit noch übertroffen wurde. Nach zwölf Stunden Fahrt durch Regen, mit Sturm, schaukelnden und rollenden Schiffen und der Drohung, die Brücke über den Fehmarnsund sei gesperrt, fuhren wir auf die Auffahrt zu unserer Garage und waren froh, heil in unserem ersten Zuhause angekommen zu sein.

 

Na dann bis zum nächsten mal Sverige. Wir kommen wieder, versprochen! Hejdå!


Halt Stopp! Da war doch noch was!

Auf dem Heimweg gab es noch ein großes Jubiläum zu feiern. Kurz nach der Landung auf deutschen Boden spielte unser Auto verrückt. Es wollte unbedingt fotografiert werden.

Wir haben dann verstanden und sind in Großenbrode abgefahren und haben mitten im Ort angehalten um das Ereignis im Bild festzuhalten.

 

Sechshunderttausend!

Diese Zahl muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Diese Leistung mit dem ersten Motor und in fünfzehn Jahren. Auch viele andere Originalteile sind noch vorhanden, z. B. der komplette Auspuff.

 

Gratuliere „Alter Schwede“ zu diesem Ehrentag. Wir danken Dir für Deine bisherige treue Schufterei und hoffen, dass Du uns noch lange begleitest und vielleicht noch ungeahnte Rekorde aufstellst.

Den Schnaps darauf haben wir dann abends zu Hause getrunken.

Skål.

Fehmarn 12 Uhr 44 Minuten
Fehmarn 12 Uhr 44 Minuten
der Alte Schwede erreicht 600.000 km
Großenbrode 12 Uhr 52 Minuten das große Jubiläum

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Kommentare: 2
  • #1

    Joachim (Freitag, 16 Januar 2015 17:23)

    Sehr schön zu lesen und tolle Fotos aus Schweden.

    Gruß
    Joachim

  • #2

    Werner Kallmeyer (Mittwoch, 21 Januar 2015 17:16)

    Lesen und sehen, das hat Spaß gemacht. Danke für den Schwedenhappen.
    Viele Grüße von Werner