Sommerurlaub 2011


Erster Teil

Urlaub, endlich Urlaub

See, Urlaub, Schweden, Urlaubserlebnisse
Impressionen am See

„Urlaub! Endlich Urlaub!“ schrie ich laut, als ich aus dem alten Schweden mit dem Anhänger dahinter ausgestiegen war. Etwas steif nach der dreizehnstündigen Fahrt fühlte ich mich schon. Wen wundert das bei den alten Knochen?

Aber auch, als ich mit kräftiger Stimme „Wir sind da“ schmetterte, bekamen wir keinerlei Reaktion der uns umgebenden Lebewesen. Nicht einmal die gerade in einem kleinen Spalt zwischen den Brettern der Hauswand verschwindende Hummel nahm Notiz von uns.

So sind sie halt, die schwedischen Ureinwohner. „Leben und leben lassen“ heißt die Devise und es gibt nur selten Ausnahmen, die anders denken. Dazu gehören die acht bis neun Mücken, die in kurzer Zeit meine herzallerliebste Ehefrau angepiekt hatten. Die Spuren der hinterhältigen Attacken waren noch über zwei Wochen lang zu sehen.

„Was musste sie aber auch ausgerechnet in einem dünnen roten Shirt in der schattigen Wildnis vor unserem Häuschen mit den Brennnesseln kämpfen“, dachte ich, nicht ohne ein wenig Schadenfreude über soviel Leichtsinn. Dabei hatte sie es nur gut gemeint und wollte mit ihrer Aktion doch nur ein wenig dazu beitragen, den Eindruck eines gepflegten Gartens erkennen zu lassen. Es gab dann zwar auch ein relativ gelungenes Ergebnis, doch sie hat es mit dem Preis ihres Blutes bezahlen müssen.

 

Gut und schön! Nach nunmehr sechsunddreißig Stunden auf den kaum noch zu spürenden Füßen und gefühlt etwa eine Million Autobahn-, Fähr-, Landstraßen- und Schotterpistenkilometern beschlossen wir am frühen Abend noch ein Regenwaldbier und ein wünziges Schlückchen Aqua vitae zu genießen und uns dann zur verdienten Nachtruhe zu begeben.

Nach einigen Stunden erholsamen Schlafes wurde ich sanft, ja fast zärtlich geweckt und hörte eine Stimme: „ Du Schaahaatz, können wir es noch einmal tun? Bitte!“

„Ok, dafür ist ein Ehemann ja sozusagen da“, dachte ich, noch schlaftrunken, griff rechts auf das kleine Tischchen, das neben dem Bett steht und fand im Dämmerlicht das Gewünschte für die Maßnahme.

Kaum hatte ich die ebenfalls auf dem Tischchen stehende Lampe angeknipst, sah ich meine Frau, mir ihre Rückseite zugewandt, bereits sitzend im Bett. Also nahm ich die Tube mit dem Juckreizverhinderungsgel, drückte einen kleinen Teil auf meine Finger, um ihrem durch die Folgeerscheinungen der Blutsaugerattacken lädierten Rücken Linderung zu verschaffen.

Nachdem ich für diese Aktion einen dicken Schmatzer eingeheimst hatte, legten wir uns wieder hin und schlummerten friedlich, bis am frühen Morgen, es muss etwa Drei gewesen sein, das Frühkonzert der Piepmätze begann. Allen voran waren es die Drosseln, danach der Kuckuck und die anderen gefiederten Freunde wie Amseln, Buchfinken, Meisen und noch viele mehr, die zu dieser frühen Tageszeit ihre Kehlen und Schnäbel strapazierten. Ihr allmorgendliches Konzert drang durch das geöffnete Fenster an unsere Lauscher. Dabei bemerkten wir, dass hier einige Vögel anders piepsen, vielleicht sprechen sie ja schwedisch.

Nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen, doch noch ein wenig die Augen zuzumachen, beschlossen wir aufzustehen. Bei einem ausgiebigen Frühstück draußen auf der Terrasse genossen wir die Schönheit und die Ruhe dieses himmlischen Fleckchens Erde.

Neben dem gemähten Streifen um das Haus beginnt eine Blumenwiese. Hier hat sich Giersch wuchernd breit gemacht. Auf langen Stängeln stehend recken die Pflanzen viele weiße Doldenblüten gen Himmel. Darüber und daran war ein Gesumse und Gebrumme von tausenden Fliegen, Hummeln und anderen beflügelten Insekten zu vernehmen, die sich dort, wie wir auf der Veranda, die erste Mahlzeit des noch jungen Tages schmecken ließen.

 

Hermann



Zweiter Teil

Begegnungen

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Fütterung auf dem Terrassengeländer

Neben den netten von Wiedersehensfreude geprägten Begegnungen mit Freunden und Bekannten aus der Umgebung des Urlaubsortes, gab es auch solche mit der Tierwelt der Region. Allerdings waren es nicht nur die großen spektakulären, sondern vor allem auch die kleinen Beobachtungen, die uns immer wieder ehrfürchtig staunen ließen.

 

Wir brauchten oft gar nicht weit zu gehen, sondern nur auf unserer Terrasse zu sitzen, die Augen offen zu halten und natürlich den Photoapparat griffbereit zu haben.

So gerüstet ließen sich die Libellen einfangen, die auf der Brüstung unserer Veranda saßen und ihre filigranen Flügel in der Sonne spreizten, so dass sie zarte Schattenmuster auf den weißen Untergrund malten. In der Luft lieferten sie sich wilde Verfolgungsjagden in Zick-Zack-Flügen und wetteiferten förmlich darum, den Anderen zu beeindrucken oder die meisten Kleininsekten zu fangen. Dadurch blieb ich wohl von einigen Mückenstichen verschont, da die Besitzer dieses unangenehmen Saugrüssels in den Fängen der Libellen landeten und verspeist wurden.

 

Manchmal bin ich schon zusammengezuckt, wenn mein Ehemann plötzlich rief: “Nicht bewegen! Da sitz was neben Dir!“ Vorsichtig drehte ich mich dann in die angezeigte Richtung und blickte so dem ein oder anderen unheimlich aussehenden Gesellen, wie zum Beispiel dem schwarzen Käfer mit den riesigen Fühlern in die Augen. Dann hieß es förmlich einfrieren und sich nicht rühren, bis alles auf Celluloid (ach Quatsch, gibt es ja gar nicht mehr) den Chip gebannt war.

 

Oder unsere Untermieter unter den Firstpfannen des Daches wurden gefüttert. Die fleißigen Bachstelzen-Eltern flogen unermüdlich und schafften ran, was Flügel hatte und zwischen ihre Schnäbel passte. Dabei zeigten sie sich durchaus auch mit den technischen Geräten der Menschen vertraut, die sie perfekt für ihre Ziele einsetzten.

Wir waren uns noch nicht ganz einig, ob sie für zwei oder drei Kinder sorgen würden, als eines Morgens drei kleine Federbällchen auf der Terrasse gelandet waren und mit lautem Gezeter nach ihrem Frühstück schrieen. Durch das kleine Fenster der Eingangtür waren wir dann sozusagen hautnah bei der Raubtierfütterung dabei.

Drei Tage später sind sie dann alle endgültig ausgezogen und wir konnten sie nur noch ab und zu in der Nähe sehen oder hören.

 

Eine Exkursion in die Wildnis quer durch die das Haus umgebende Blumenwiese ließ uns Staunen über die ganze Vielfalt der Blumen und der Insekten, die wir darin fanden. Der Nachteil von solchem Gewimmel ist immer der ein oder andere Spitzbube, der sich in jeder „Gesellschaft“ findet. In diesem Fall sind das die mikrokleinen schwedischen Zecken. Als vorbeugende Maßnahme empfehlen sich hohe Gummistiefel bei solch einem Vorhaben. Abends gab es dann immer die gegenseitige Sichtkontrolle auf unliebsame Blutsauger und wir sind auch tatsächlich zweimal fündig geworden. Eine andere Sorte Spitzbuben sind Mücken aller Rassen und Sorten sowie Wespen, die es einem übel nehmen, wenn man sie aus Versehen drückt. Auf diese Art heimste ich dann auch noch einen Wespenstich am Dekollete ein. Ich glaube, in diesem Sommer musste ich einfach alles haben oder ich war einfach immer die Vorhut, die alles abgefangen hat.

 

Mein Mann holt den Rasenmäher aus dem Schuppen und sieht sich nach dem Öffnen der Tür drei bis vier kleinen Wespennestern gegenüber, von denen mindestens zwei bewohnt waren. Und was Passiert? Nichts! Die fleißigen Baumeister kommen seiner Bitte um umgehendes Verschwinden nach und lassen es auch zu, dass die Bauten abgenommen werden. So müssen sie sich jetzt ein neues Zuhause schaffen.

Oder er steht auf der Leiter, streicht den Dachüberstand und kommt dabei nahe an ein weiteres Wespenlager. Er wird interessiert begutachtet, durch Kontrollflüge begleitet und wieder passiert nichts.

Aber dafür hat ihn dann eine Wespe hier in Osnabrück gestochen. Haha, Gerechtigkeit siegt!!

 

Trotz aller Widrigkeiten war es dieser Mikrokosmos von Vögeln, Insekten wie Ameisen, Spinnen, Falter, Käfer, Blindschleichen, sowie Pflanzen und kleine Blümchen, der uns immer wieder ehrfürchtig staunen ließ. Es ist schade, das in unserer heutigen Zeit kaum noch jemand diese kleinen Dinge wahrnimmt.

 

Ulla



Dritter und letzter Teil

Midsommar

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Midsommarstång

Unseren diesjährigen Sommerurlaub hatten wir so geplant, dass wir über Midsommar in Schweden sein würden. Der eigentliche Midsommardag ist der auf den 21. Juni folgende Samstag. Dies ist ein Feiertag im Land und zwar der zweitwichtigste nach Weihnachten, wie uns versichert wurde. Die Geschäfte haben bis auf wenige Ausnahmen geschlossen. Das Fest Midsommar wird aber in Schweden schon freitags am Midsommarafton gefeiert und die ganze Familie bereitet sich auf diesen Tag vor.

Das beginnt mit dem Einkauf für das großartige Essen an dem Abend. Unglaublich vielfältig werden dann die reichhaltigen Speisen vorbereitet. Es gibt Fisch in allen möglichen Variationen, vor allem Sill (schwedisch Hering), Matjessill in unterschiedlichsten Laken oder pur mit leckeren Saucen, aber auch Lachs, gebacken, gebraten, geräuchert, sowie Schalentiere, dazu leckere Salate, gebackenes Brot und natürlich Knäckebrot. Auch Gegrilltes kommt mit auf das Midsommarbuffeé.

Erdbeeren sind ein absolutes MUSS für jedes Midsommarfest. Ob mit Sahne oder als Torte oder besser gleich beides. Sie folgen mit einem Kaffe zusammen auf das Büffet, das natürlich bis spät in die Nacht stehen bleibt und immer wieder einlädt, mal eine Kleinigkeit zu naschen. Das ist auch notwendig, denn es rinnt doch einiges an Schnaps (selbstverständlich Zimmertemperatur, nie gekühlt wegen des Geschmacks), Akvavit oder Brännvin, durch die Kehlen der Feiernden. Zu fast jedem Schnaps wird ein Trinklied gesungen, man schaut sich in die Augen und ein lautes „Skål“ beendet die Zeremonie vor dem Genuss. Die Schweden sind überhaupt ein sehr sangfreudiges, fröhliches Volk.

 

Am Nachmittag wird die selbst gebundene Midsommarstång aufgestellt und mit Musik und Gesang tanzen alle im Kreis um dieses Symbol. Die Kinder haben mit ihren Müttern zusammen Kränze aus Blumen, Gräsern und Kräutern geflochten und tragen diese um den Kopf.

Wir waren auch auf so einer Geselligkeit zu Midsommar, die von der Dorfgemeinschaft organisiert worden war. Es gab Unterhaltung und Spiele für Kinder und Erwachsene, Kaffe mit selbstgebackenem Kuchen und eine Tombola.

Auf den Fotos kann man es sehen, das bunte Treiben, das Lachen, die Freude und erkennen, was Jung und Alt an diesem Tag miteinander verbindet.

 

Unser Midsommarbuffeé war etwas bescheidener. Für zwei Leute waren Grillwürstchen mit selbst gebasteltem Kartoffelsalat dann doch reichlich, aber Akvavit und ein oder zwei Starköl gab es auch dazu. Und in die Augen geschaut haben wir uns beim „Skål“ auch, nur gesungen haben wir dabei nicht. Vielleicht hätten wir das doch tun sollen, denn dann hätten die Knott (Kriebelmücken, Gnitzen) fluchtartig das Weite gesucht. Den Kuchen und den Kaffee hatten wir nachmittags auf dem Fest schon genossen.

 

Als wir spätnachmittags auf der Veranda saßen, trauten wir unseren Augen kaum. Wir glaubten, in Osnabrück mitten auf dem Neumarkt zu sitzen. Kamen doch in kürzester Zeit, innerhalb von vier bis fünf Stunden jede Menge Fahrzeuge an unserem Haus vorbei gerauscht. Wir haben mal gezählt und wenn ich mich recht erinnere waren es fünf. Fünf Autos in fünf Stunden, das war rush hour pur. Puuuhhh! Ansonsten sind es vielleicht zwei am ganzen Tag.

Trotzdem ein wunderschöner ereignisreicher Tag, der langsam in die dämmrige Sommernacht mit ihrem diffusen Licht überging, denn dunkel wird es zu dieser Zeit in Schweden nicht.

 

In fünf Tagen sollte unser Urlaub nun leider wieder vorbei sein. Am nächsten Tag war noch einmal Schwedennachbarn besuchen angesagt, die uns für Sonntagnachmittag zum Kaffee eingeladen hatten. Außerdem wollten wir noch einmal durch die Wälder stiefeln. Dort haben wir einige große Steine fotografiert. Überbleibsel der Eiszeiten, Findlinge, riesengroße tonnenschwere Dinger, wie der Butterstein im Gattberg in Belm oder andere. Verschoben wie Kieselsteinchen von kilometerdicken Eisschichten, die langsam abschmolzen, an den Fundstellen vor tausenden von Jahren abgelegt, in Schweden, in Deutschland oder sonst wo.

Auf den Butterstein war ich durch einen Artikel des OS-Nachbarn Max Brink aufmerksam geworden. Die Urlaubsfotos zeigen die schwedischen Brüder und Schwestern dieses Kolosses.

 

Dann war der Tag vor der Abreise gekommen. Noch ein wenig sauber machen und den letzten Abend auf der Veranda genießen. Wir freuen uns schon auf unseren nächsten Trip dorthin, auch wenn der Aufenthalt wieder mit Arbeit verbunden sein wird, weil es ja unser zweites Zuhause ist.

 

Und so nehmen wir die beiden Gläser vor uns vom Tisch und sagen:

 

„Hejdå Sverige und skål allen Lesern“.

 

 

Ulla und Hermann 

 

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