Pendelverkehr

So, nun ist schon bald wieder Weihnachten und ich hab es tatsächlich geschafft ein paar Worte zu unserem Aufenthalt Ostern in Schweden auf die Reihe zu bekommen und in die Tastatur zu tippen. Aber fangen wir mit dem Anfang an!

 

Am Anfang waren wie immer die Hinfahrt mit knapp eintausend Kilometern, zwölf Stunden, null große Pausen, zwei Fähren und vielen dänischen und schwedischen Verkehrshindernissen.

Das Wetter sollte dem Anlass entsprechend sein. Wenn wir reisen ist es meistens sonnig. Ja Pustekuchen, das war wohl ein Satz mit X. Gegen zwei Uhr in der Früh starteten wir und waren noch nicht ganz zehn schwedische Meilen* unterwegs, da ging es schon los. Vor Vechta Regen und nicht zu knapp, hinter Vechta Hagel und Graupel. Dreißig konnte man gerade ohne große Gefahr fahren, da überholte uns ziemlich flott ein größerer BMW. Kurz darauf sahen wir Warnblinkleuchten der Fahrzeuge vor uns. Auf dem Seitenstreifen fuhr unser Winterwetterspezialist mit dem größeren BMW. Nicht mehr ganz so schnell, aber dafür nach dem Billardspiel mit Pkw und Leitplanke reichlich demoliert. Dieser Mensch und die folgenden Fahrzeugführer hatten wohl gleich mehrere Schutzengel, die in dieser Nacht ihr Bestes gegeben haben. Es blieb bei dem Schaden für den Unfallfahrer, weil wohl viele Andere für ihn mitgedacht hatten und es so zu keiner weiteren Kollision kam. Alle anderen hatten nämlich ihre Fahrweise der fünf Zentimeter dicken Hagelschicht angepasst und ihre Geschwindigkeit reduziert.

Aber einen Idioten, der meint schneller sein zu müssen, dann aber doch viel später oder auch gar nicht an sein Ziel ankommt, gibt es wohl immer und überall auf den Straßen.

Als wir Hamburg hinter uns gelassen hatten, war dann auch schon mal der Vollmond zu sehen oder zumindest zu erahnen.

 

Bis zum Abzweig von dem Schotterweg auf unser Grundstück gab es keine Zwischenfälle mehr. Selbst die Fähren hatten uns wohl schon erwartet.

Wie es wohl aussehen würde dort? Was wohl dieses Mal für Überraschungen auf uns warteten?

Eine Sache, die zu erledigen war sprang uns beim Abbiegen schon ins Auge. Im Herbst war ein Graben für ein Kabel vom Weg zum Haus ausgehoben und wieder zugebaggert worden. Nun muss der geneigte Leser wissen, dass wenn man in Schweden gräbt, nicht nur Erde aushebt. Nein! Ein Großteil dieses Grabens war vor der Berührung durch den Menschen mit Steinen gefüllt. Kleine Felsen, große Steine, kleine Steine, Kieselsteine, eckige Steine und natürlich auch Mutterboden kamen bei dieser Aktion ans Tageslicht. Der Baggerfahrer hieß nicht Bodo sondern Achim und er hatte uns mit dem anderen Anwohner Thore im Tauschgeschäft unter Nachbarn diesen Graben mit einem Minibagger gegraben. Uns bleib nun die Feinarbeit ohne Bagger, Steine schleppen und die Oberfläche dieser Furche mit Schaufel, Harke, Schubkarre und viel Schweiß wieder einigermaßen zu richten. Ich kann berichten, dass ich am nächsten Morgen Muskeln gespürt habe, die ich vorher anatomisch überhaupt nicht kannte oder glaubte, in meinem Alter nicht mehr über solche zu verfügen. Aua! Ein wenig geholfen haben dann Arnikakügelchen.

 

Es wurde Frühling in Schweden. Nachts zwar noch leichter Bodenfrost, tagsüber aber an den Tagen nach Ostern schon bis zu fünfzehn Grad, plus versteht sich und Zentralgestirn am Himmel.

Und das erinnerte uns an den wichtigsten Grund unserer Anwesenheit hier. Wir wollten Urlaub machen. Wir wollten Ausspannen. Wir wollten die Seele baumeln lassen. Wir wollten die Füße hochlegen. Wir wollten Nichtstun. Wir wollten …! Das ist etwas, was wir nicht so einfach hinkriegen. Schließlich ist es schon die reinste Entspannung, einfach nur hier zu sein. Hier in der Einsamkeit der schwedischen Wälder in unserem kleinen roten Häuschen mit den weißen Fenstern, die wie neugierige Augen in die Umgebung schauen und uns Tag für Tag mit einem Blick nach draußen das Neueste aus der Nachbarschaft berichten.

Also haben wir, wie bei jedem Aufenthalt, einen Ausgleich geschaffen zwischen Beschäftigung und Regeneration. Die Zeit danach und auch davor ist wieder, vor allem für die herzallerliebste Ehefrau, von der täglichen Routine bestimmt, mit allem Schönen aber auch Anstrengenden, was dazu gehört.

So haben wir versucht bei einem Waldspaziergang die Schubladen im Gehirn wieder aufzufüllen. Es liegen zwar noch jede Menge Eindrücke in den Fächern dieser Kommode „Gehirn“, aber die verblassen mit der Zeit und müssen wieder mit Farben und Formen aufgefrischt werden. Und dabei ist der Wald mit seiner Flut an Entdeckungen und Wahrnehmungen für uns sehr hilfreich. Jedes Mal verlassen wir die Bäume und großen Findlinge, die Pflanzen, die großen und kleinen Tiere mit prall gefüllten Schubfächern im Kopf, und das hilft uns, die Zeit zwischen zwei Auszeiten zu überbrücken.

<Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub> dachten wir uns und erfreuten uns an den ersten Frühlingsboten, die wir auch auf Fotos festgehalten haben.

 

Und dann hieß es nach acht Tagen und mental aufgetankt wieder einmal „Sverige hejdå“. Dies ist aber für uns mittlerweile kein Abschied mehr, sondern nur ein Pendeln von unserm zweiten Zuhause zu unserem ersten.

 

Und diesmal nur für sechs Wochen.

 

 

 

 

*eine schwedische Meile sind etwa zehn Kilometer