Los geht’s "Alter Schwede"

Unser Herbsturlaub sollte Samstag starten. Den hatten wir uns und ganz besonders mein herzallerliebstes Eheweib sich redlich verdient.

 

Das Auto wartete größtenteils gepackt in der Garage und nachts um zwei Uhr ging es endlich los. Bis auf den letzten Kubikzentimeter war der „alte Schwede“ vollgeladen.

Als ich gerade auf die Autobahn abbog sagte ich zu meiner Mitfahrerin: „Einundzwanzig Tage Urlaub, das haben wir lange nicht mehr am Stück gehabt, oder?!“

Sie drehte sich zu mir und fragte mit einem Schmunzeln: „Sind es nicht drei Wochen? Wir sind doch drei Wochen weg, oder?!“

 

Die Fahrt verlief dem Himmel sei Dank wieder ohne Pleiten und Pannen. An den Fähren klappte auch alles, zumindest halbwegs. Die in Helsingør fuhr uns vor der Nase davon. Ein Lkw hatte uns die letzten Kilometer in der Stadt ausgebremst. Ärgerlich, aber nicht zu ändern.

 

Dafür begrüßte uns Schweden mit einem Sonne / Wolken Mix und der Sonnenanteil vergrößerte sich mit jedem Kilometer, den wir Richtung Norden fuhren.

Die Natur offenbarte sich zum Teil schon herbstlich, obwohl der Kalender erst Mitte September anzeigte. Aber schlimm war das nicht. Wir freuten uns auf Ausruhen und neue Kraft tanken, Pilze finden und essen, ein wenig Werkeln und die geplante Arbeitsliste abarbeiten, Freunde treffen und Kaffee oder auch ein Bier trinken, die Natur genießen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, den Flohmarkt am Sonntag besuchen und das ein oder andere Schnäppchen machen, und, und, und …

 

Das Erste, was ich nach der Ankunft und dem Entladen des V70 zu erledigen hatte, war Rasen mähen.

Obwohl eine Abordnung unserer Kinder drei Wochen vorher noch hier waren und sicherlich gemäht hatten, genossen die Grashalme die noch vorherrschenden warmen Temperaturen und trieben und wuchsen.

 

Nach der ersten absolut stillen Nacht begannen wir, uns mit den Angelegenheiten zu beschäftigen, die in unserem Verzeichnis „muss erledigt werden“ nieder geschrieben standen.

 

Zu allererst erledigten wir die Aufgaben, die uns Spaß machten. Das ist wohl menschlich, oder!? Die unangenehmen Dinge schiebt der Mensch doch immer nach hinten, bis es nicht mehr geht und sie aufgearbeitet werden müssen.

Aber angepackt haben wir die auch, wie etwa tapezieren, streichen, Wasserspülung der Toilette abdichten, u.v.m.

 

Aber begonnen haben wir mit dem Bau von Vogelhäusern. Das macht viel Freude, weil man im Winter sehen kann, was die Pieper davon halten.

Dann könnte ich den ganzen Tag am Fenster sitzen und den kleinen Wintergästen beim Futtern zusehen. Als erstes erscheinen nach gefühlt zwanzig Minuten die Tannenmeisen. Das sind die Entdecker und mutigen Pioniere bei der Erkundung des Terrains.

Und wenn man so sitzt und beobachtet, sieht man die unterschiedlichsten Gefiederten und Gefellten. Neben den schon erwähnten Entdecker der Futterstellen, den Tannenmeisen fallen alljährlich Kohlmeisen, Blaumeisen, Dompfaff (Gimpel), Grünfinken, Bergfinken, Buchfinken, Zeisige, Girlitze, Stieglitze, Drosseln, Amseln, Kleiber, Eichelhäher sowie Mäuse, Eichhörnchen, Hasen und wahrscheinlich noch mehr Zwei- und Vierbeiner ein, um sich eine extra Portion von den Menschen abzuholen.




oben das große und

rechts das kleine Vogelhaus


Der Höhepunkt sind aber in der Herbstzeit die Spaziergänge im Wald. Nein, es sind keine reinen Spaziergänge, sondern Expeditionen. Gleich hinter unserer Scheune beginnt das Abenteuer. Die Köpfe gesenkt, geht es im wahrsten Sinne über Stock und Stein quer durch den Wald. Nein, wir schauen nicht auf unsere Smartphones, wir suchen die leckeren gelben und braunen Gewächse mit den Köpfen und den Stielen.

Es braucht keine Stunde und wir haben die mitgebrachten Körbchen gefüllt bis über den Rand. Die herrliche Luft und die reiche Beute gepaart mit ausgiebiger Bewegung sorgen für einen extrem hohen Ausstoß von Botenstoffen, die ein wahnsinniges Glücksgefühl vermitteln. Dopamin, Noradrenalin, Serotonin, Endorphin und Konsorten vermitteln das Gefühl, als wäre man frisch verliebt; und äße zehn Tafeln von der feinsten Schokolade; und einen Triathlon als Sieger zu beenden; und „da war doch noch was!“

Und die Erwartung des Genusses, die gesammelten Funghis zu verspeisen erhöht die Anzahl der Glückshormone ins Unermessliche.

Soviel zu den Leckereien aus dem Wald. Einige Bilder sollen einen Eindruck vermitteln.


so sieht erstklassige Rohware aus ...

 


... und hier ist das Endprodukt aus der Pfanne, hmmm legger 

die einzelnen Zutaten


Steinpilz

Pfifferling

Marone

Ziegenlippe

Semmelstoppelpilz

Schafsporling

Trompetenpfifferling

Herbsttrompete

Goldstieliger Leistling


Zwiebeln, Butter, Salz, Pfeffer, Knödel und Schnitzel



Aber auch andere Dinge ließen unsere körpereigene Hormonproduktion steigen.

Da war der Besuch des Flohmarktes. Dort schauen wir immer nach Schnäppchen und wir sind auch dieses Mal fündig geworden. Etliche schwedische Kinderbücher für unsere Sammlung, ein Stövchen, eine Wanduhr und einige andere Kleinigkeiten gehörten zur Beute.

Wir haben Nachbarn und Freunde getroffen und bei einer Tasse Kaffee und leckerem Kuchen geplaudert und die Zeit vergessen. Es ist schön, auch dort solche Menschen zu kennen und mit ihnen die Neuigkeiten seit dem letzten Besuch auszutauschen.

Zwischendurch gab es Tage, an denen wir einfach mal der Seele Gelegenheit zum Baumeln gegeben haben und den lieben Gott einen guten Mann sein ließen. Ein Buch oder einfach nur Nichtstun, sich unterhalten, Musik hören oder etwas Leckeres zu kochen trugen zur Entspannung und Erholung dort im Nordland bei.

 

Und so gingen diese drei Wochen oder einundzwanzig Tage wieder viel zu schnell vorbei.

Am Donnerstag packten wir das Auto, erledigten alles im Haus, um keine unangenehmen Überraschungen bei der Rückkehr vorzufinden. Morgens früh am nächsten Tag machten wir uns auf in Richtung Süden, vorbei an den vielen bekannten Orten, die wir bereits hunderte Male passiert hatten und die uns dennoch immer wieder neue Facetten offenbaren.


 

 

 

 

also, wenn der Käpten jetzt noch ein klein wenig nach links dreht, ähem soll natürlich Backbord heißen ähem, schaffen wir das mit der Hafenausfahrt


Dreizehn Stunden später standen wir wieder vor unserem deutschen Zuhause und freuten uns gemeinsam auf unseren nächsten Trip in unser schwedisches Zuhause.

 

PS

Und im Nachhinein sind wir froh, dass wir heil Zuhause angekommen sind. Hermann, der Chauffeur war nämlich bereits nach vielleicht 250 Kilometern ziemlich müde. Wenn Ulla das nicht fotografiert hätte und mir nach weiteren zehn so hinter uns gebrachten Kilometern unter die Nase gerieben hätte, würde ich es heute noch nicht glauben.

einige Impressionen aus dem Urlaub